Parlament

Infoblatt, Frühjahrssession 2020

Mit seinem Informationsbulletin «Standpunkte» für die Parlamentarische Gruppe Rotes Kreuz möchte das SRK sein praktisches Fachwissen aus 26 Kantonen und 30 Ländern pointiert in den politischen Dialog einbringen.

Themen:

Das Infoblatt (pdf)

Die Parlamentarische Gruppe Rotes Kreuz

Langfristige Wirkung: die Entwicklungszusammenarbeit des SRK

Betrifft: 20.018: Aussenpolitische Strategie 2020–2023 20.033: Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2021–2024

Die Projekte der internationalen Zusammenarbeit des SRK basieren auf einem soliden, resultatorientierten Projektmanagement-System. Neben der integrierten Datenerhebung während der Projektumsetzung (Monitoring) gehören dazu auch Evaluationen, welche in der Regel zum Zeitpunkt eines Zwischenhaltes oder bei Abschluss eines Projektes durchgeführt werden. Deshalb freute sich das SRK, Ende 2017 den «Impact Award» zu gewinnen, den die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ausgeschrieben hatte. So konnte in der Katastrophenvorsorge, einem der Kernbereiche der internationalen Zusammenarbeit, eine Impact Evaluation durchgeführt werden. Zusammen mit Expertinnen und Experten der EPFL wurde diese Evaluation 2018 in einem Katastrophenvorsorgeprojekt in Honduras gestartet und Ende 2019 abgeschlossen – mit sehr erfreulichen Ergebnissen.

Der zentrale Ansatz dieser Impact Evaluation bezieht sich auf statistisch fundierte Vergleiche zwischen der Bevölkerung im Projektgebiet und in einem vergleichbaren, aber nicht vom Projekt tangierten Gebiet. Diese umfangreiche Evaluation hat gezeigt, dass unser Katastrophenvorsorgeprogramm zu sehr positiven Resultaten führt. Zwischen den Vergleichsgebieten bestehen deutliche Unterschiede bezüglich Katastrophenbereitschaft, Risikoreduktion und auch subjektivem Sicherheitsempfinden der Bevölkerung. In vielen Ländern sind Katastrophen aufgrund ihrer Häufigkeit und Intensität gleichbedeutend mit einer Armutsfalle. Eine nachhaltige Katastrophenvorsorge auf Dorfebene und in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden ist deshalb ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung sowie für die soziale und ökonomische Entwicklung einer Region.

Bei Krisen und Katastrophen in armen Ländern leistet die internationale Zusammenarbeit einen wichtigen und nachhaltigen Beitrag. Doch dazu braucht es die nötigen Mittel. Gerade zivilgesellschaftliche Organisationen wie die Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften kümmern sich in armen und fragilen Ländern um die Bedürfnisse benachteiligter Bevölkerungsgruppen. Die vielen Freiwilligen des Roten Kreuzes sind immer vor Ort: vor, während und nach einer Krise oder Katastrophe. Das SRK plädiert für eine Erhöhung der DEZA-Beiträge für die anerkannten und resultatorientierten Organisationen.

Mehr über das Projektmanagement-System des SRK im Ausland

Zivilgesellschaftliche Organisationen wie die Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften kümmern sich in armen und fragilen Ländern um die Bedürfnisse benachteiligter Bevölkerungsgruppen. Das SRK plädiert für eine Erhöhung der DEZA-Beiträge an anerkannte und resultatorientierte Organisationen.

Früherkennung von Traumafolge-Erkrankungen bei Asylsuchenden verringert Folgekosten

Gemäss Studien leiden 40–50 Prozent aller geflüchteten Menschen unter Traumafolge-Erkrankungen. Eine Erkennung so früh wie möglich nach der Einreise ist sowohl für die Betroffenen als auch für die Gesellschaft bedeutsam: Damit lässt sich einerseits gewährleisten, dass mögliche Traumatisierungen in den Asylentscheiden berücksichtigt werden können. Anderseits können Betroffene so möglichst zeitnah an entsprechende Unterstützungsangebote verwiesen und damit eine Chronifizierung und hohe gesellschaftliche Folgekosten vermieden werden. Vor 25 Jahren eröffnete das SRK das erste Therapiezentrum für Folteropfer in der Schweiz – heute Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer. Aufgrund des hohen Bedarfs an Behandlungsplätzen wurden in den Folgejahren vier weitere Therapiestellen eröffnet, die sich gemeinsam mit dem ersten Therapiezentrum zum Verbund «Support for Torture Victims» zusammenschlossen.

Jährlich können die Verbundpartner gut 1100 Therapieplätze anbieten. Der geschätzte Bedarf ist jedoch massiv höher: Bereits 2013 zeigte eine Studie, dass in der Schweiz bis zu 500 spezialisierte Therapieplätze für traumatisierte geflüchtete Menschen fehlten. Seither wurde keine systematische Bedarfserhebung mehr durchgeführt. Allerdings ist gemäss Schätzungen davon auszugehen, dass seit 2014 zusätzlich rund 30 000 geflüchtete Menschen mit Traumafolge-Erkrankungen neu in die Schweiz eingereist sind, die aufgrund ihrer psychischen Belastung Unterstützung benötigen. An der nationalen Fachtagung 2019 «Asylsuchende Menschen mit Traumatisierung: Früherkennung und Unterstützungsangebote» verabschiedete der Verbund eine Resolution mit acht Empfehlungen:

  1. Einführung von geeigneten Mechanismen zur Früherkennung von Traumafolge-Erkrankungen in den Unterbringungsstrukturen
  2. Klare Weiterverweisungsabläufe, wenn bei geflüchteten Menschen Traumatisierung erkannt wurde
  3. Sensibilisierung des Personals in den Unterbringungsstrukturen und im Asylbereich zum Thema Trauma
  4. Übersetzung von komplizierten medizinischen Fakten für geflüchtete Menschen in den Unterbringungsstrukturen
  5. Einbezug des Themas Trauma bei der Umsetzung der Integrationsagenda Schweiz
  6. Ausbau spezialisierter Therapieangebote für traumatisierte geflüchtete Menschen
  7. Finanzierung von interkulturellen Dolmetschenden im Gesundheitswesen
  8. Ausbau niederschwelliger psychosozialer Angebote für traumatisierte geflüchtete Menschen

Das SRK ist erfreut über das Interesse des Staatssekretariats für Migration (SEM) an einer Schulung zum Thema Trauma in den Asylregionen. Diese Schulung für alle Mitarbeitenden ist für das Jahr 2020 geplant und soll vom Verbund «Support for Torture Victims» durchgeführt werden.

Nähere Informationen: www.torturevictims.ch

Geflüchtete Menschen mit Traumafolgestörungen müssen möglichst früh Unterstützung erhalten. Es braucht mehr spezialisierte Therapieplätze und eine gesicherte Finanzierung der Übersetzung im Gesundheitswesen.

Humanitäres Völkerrecht

Das SRK schätzt seine in den Genfer Konventionen verankerte Beziehung zum Bund – die rôle d’auxiliaire des pouvoirs publics – und unterstützt ihn bei der Umsetzung seiner humanitären Aufgaben. In diesem Zusammenhang hat das SRK an der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondkonferenz im Dezember 2019 gemeinsam mit der Direktion für Völkerrecht des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) eine Absichtserklärung (Pledge) unterzeichnet. Diese hat das Ziel, das humanitäre Völkerrecht und die Wichtigkeit der Einhaltung von Regeln im Krieg gemeinsam bekannter zu machen, was mittels eines gemeinsamen Massnahmenplans in den nächsten vier Jahren umgesetzt werden soll.

Besonders wichtig ist für das Rote Kreuz, jungen Menschen die Bedeutung des humanitären Völkerrechts aufzuzeigen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat kürzlich weltweit über 16000 Millennials befragt. Die befragten Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 35 Jahren leben in 16 verschiedenen Ländern. Einige dieser Länder wie Syrien oder die Ukraine liegen in Kriegs- und Konfliktgebieten, andere wie die Schweiz leben seit Längerem in Frieden.Die Ergebnisse der Umfrage sind besorgniserregend: Fast die Hälfte der Befragten befürchtet, in Zukunft einen Dritten Weltkrieg zu erleben. Dennoch glauben 74 Prozent, dass Kriege vermieden werden können.

Die Angst vor künftigen bewaffneten Konflikten besteht auch in der neutralen Schweiz. Mehr als die Hälfte der 1000 befragten jungen Schweizerinnen und Schweizer glaubt, dass sie noch einen Dritten Weltkrieg erleben wird. Erfreulich ist, dass insgesamt fast drei von vier Befragten bereits von den Genfer Konventionen gehört haben. Die Haltung der Millennials zu Atomwaffen ist unmissverständlich: 92 Prozent der Befragten finden den Einsatz von Atomwaffen niemals akzeptabel und mehr als zwei Drittel von ihnen befürworten einen Beitritt der Schweiz zum Atomwaffenverbotsvertrag. Diese Haltung vertritt auch das SRK: Es engagiert sich gemeinsam mit der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung für die Unterzeichnung des internationalen Vertrags zum Verbot von Atomwaffen. Das SRK fordert den Bund auf, diesen zu unterzeichnen und zu ratifizieren.

IKRK-Film über die Folgen eines Atomangriffs: www.youtube.com/watch?v=5iPH-br_eJQ

Das SRK möchte das humanitäre Völkerrecht besser bekannt machen und arbeitet dabei eng mit dem Bund zusammen. Aus humanitären Gründen fordert es, dass die Schweiz den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnet und ratifiziert.